DSGVO: Datenschutzbeschwerden nehmen stark zu

Die DSGVO hat viele Unternehmen, Arbeitnehmer und Privatpersonen mehr als ein Jahr lang beschäftigt. Grund dafür sind die weitreichenden Neuerungen, die mit dieser europaweiten und einheitlichen Vorgabe für den Alltag einhergingen. Auch das mediale Interesse daran war enorm, was die Allgegenwärtigkeit des Themas zusätzlich bestärkt hat. Wenige Monate nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung geht aus den Statistiken der zuständigen Behörden vor allem eines hervor: Die Anzahl an Datenschutzbeschwerden ist stark gestiegen.

Datenschutzbeschwerden sowohl online als auch offline

Obwohl die mediale Darstellung in Bezug auf die DSGVO oft mit Internetrecht und Online-Aktivitäten in Verbindung gebracht wurde, ist das nur ein Teilbereich. Die DSGVO gilt in sämtlichen Situationen, wo personenbezogene Daten gesammelt werden. Somit fällt auch jede Form des Notierens eines Namens im geschäftlichen Sinn unter die Regelung der Datenschutzgrundverordnung. Betrachtet man das gesamte Spektrum, gilt für Deutschland folgende Aussage: Seit dem Inkrafttreten der DSGVO zeigt die Tendenz der Datenschutzbeschwerden eine 10-mal so hohe, wie zuvor.

Dieses Phänomen beschränkt sich jedoch nicht auf Deutschland. Der nördliche Nachbar Österreich liefert ähnliche Zahlen. Die österreichische Datenschutzbehörde konnte seit dem 25. Mai 2018 625 Datenschutzbeschwerden entgegennehmen. Wie futurezone.at berichtet waren es im gesamten Vorjahr lediglich 531. Dabei gehen die Beschwerden nicht nur gegen Großkonzerne. Von namhaften Unternehmen bis zu Einzelunternehmern und Privatpersonen sind alle Kategorien vertreten.

Hohe Dunkelziffer oder hohes Beschwerdepotential?

Verbraucher lassen ihrem Ärger oft in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter freien Lauf. In Anbetracht der vielen Negativschlagzeilen, die Facebook für sein Netzwerk in den vergangenen Monaten hinnehmen musste, ergibt sich eine gewisse Ironie. Oft geht es beim Aufzeigen solcher Missstände um Unregelmäßigkeiten, die im Alltag auffällig sind. Dabei geht es um Überwachungskameras, das Erheben von nicht benötigten Daten oder der unerwünschten und nie genehmigten Kontaktaufnahme durch Firmen mit Privatpersonen. Wie hoch hier die Dunkelziffer ist, ist nach so kurzer Zeit kaum zu schätzen. Es zeichnet sich jedoch ab, dass viele Benutzer ihren Frust online teilen und so Mitbürger warnen. Das wiederum verunsichert besonders kleine Betriebe. Diese haben aufgrund der strikten Regelungen der DSGVO vieles zu verlieren, inklusive ihrer Existenz, sofern ein schweres Vergehen vorliegt. Gleichzeitig herrscht bei Datenschützern Optimismus, zumal das bedeutet, dass im Fall von Anpassungsbedarf in der Regel schneller gehandelt wird, als vor der Einführung der DSGVO.

Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die DSGVO in manchen Belangen durch die EPVO (ePrivacy-Verordnung) erweitert werden wird. Diese liegt aktuell in ersten Entwürfen vor und betrifft das Verarbeiten von Online-Daten. Auch dort ist mit einer Veränderung der Online-Medienlandschaft und dem Internet-Alltag zu rechnen. Ob die DSGVO bis dahin seitens Benutzern, Behörden, Beratern und Unternehmen vollständig verdaut ist, bleibt aktuell ungeklärt. Im alltäglichen Umgang mit sozialen Medien und ihrem Internetverhalten scheinen aber viele Personen bedachter vorzugehen, als vor der Einführung dieser Datenschutznovelle. Der mediale Aufwind zum Thema DSGVO hat unter anderem dafür gesorgt, dass einige Benutzer Facebook den Rücken kehren oder aktiv auf VPN-Verbindungen zurückgreifen. Größere Auswirkungen für Facebook und andere soziale Netzwerke haben diese Tendenzen bisher nicht.

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