Russisches Unternehmen inszeniert Roboter-Unfall mit Tesla-Autopilot

Wie dreist manche PR-Stunts sein können bewies ein russisches Unternehmen gestern. Wie die Firma Promobot selbst behauptet hat, wurde einer ihrer Roboter von einem Tesla-Wagen im Autopilot-Modus umgefahren und beschädigt. Zunächst war sogar die Rede von einer “Tötung” des Roboters. Diese Aussage sowie weitere Behauptungen wurden allerdings nach einem erschienenen Video vielerseits kritisiert. Wir haben das Video näher unter die Lupe genommen und behaupten, dass es sich bei dem versuchten PR-Stunt des russischen Unternehmens bestenfalls um einen schlechten Scherz handelt.

Video lässt starke Zweifel an Unfallhergang aufkommen

Das Video einer Überwachungskamera, die den Unfall zufällig und in guter Qualität gefilmt haben soll, wurde bereits von mehreren Seiten kritisiert. Wie electrek berichtet hat, sieht man nach dem Hergang ein Seil, das den Roboter womöglich mit Absicht umgeworfen hat. Das erscheint plausibel, zumal der Tesla den Roboter kaum oder gar nicht zu berühren scheint. Die russischen Mediensprecher von Promobot scheint sich hier aber auf den Winkel zu verlassen, der genaue Einblicke erschwert. Gleichzeitig hat aber der Fahrer des Teslas in einem Interview angegeben, dass er sich zu dem Zeitpunkt auf dem Beifahrersitz des Autos befand. Das widerspricht den technischen Voraussetzungen eines Teslas, zumal der Autopilot die Fahrt nur dann zulässt, wenn man das Lenkrad mit beiden Händen berührt. Zudem ist bei der Polizei Las Vegas keine Meldung zu einem Tesla Unfall oder einer Roboterbeschädigung eingegangen. Weder von Promobot selbst, die den teuren Roboter um rund 2000 US-Dollar pro Tag vermietet, noch von jener Person, die den Roboter unmittelbar nach dem Unfall bemerkt oder vom Insassen des Wagens.

Roboter bewegt sich vor vermeintlichem Aufprall

Da nur schwierig festgestellt werden kann, ob der Tesla den Roboter wirklich berührt hat und ihn im Falle einer Berührung tatsächlich umgeschubst oder nur verschoben hätte, sind weitere Spekulationen dazu wenig aufschlussreich. Wir haben uns das Video aber im Detail angesehen und haben bemerkt, dass der Roboter bereits vor dem vermeintlichen Aufprall des Tesla-Wagens eine kleine Bewegung macht. Diese Bewegung unterstützt die These, die bereits im Zuge des gesichteten Seils aufgestellt wurde. Wie in der folgenden Gegenüberstellung erkenntlich ist, bewegt sich der gesamte Oberkörper sowie der Kopf des Roboters um 1 bis 2 Pixel nach links, kurz bevor der Tesla überhaupt eintrifft. Der Abstand wird mit den grünen Flächen dargestellt. Während die Scheinwerfer den Effekt am Oberkörper verstärken, da sich die Optik und Belichtung verändert, sieht man beim Kopf unmissverständlich, dass es sich um eine Bewegung handelt. Selbstverständlich ist die Bewegung gering. Es liegt daher nahe, dass das Seil, das den Roboter umwerfen sollte, zu diesem Zeitpunkt gespannt bzw. zugbereit wurde. Der gesamte Tesla Roboter Vorfall erscheint daher äußerst konfus.

Der Promobot bewegt sich bereits vor dem angeblichen Zusammenstoß mit dem Tesla. Der sich vergrößernde Abstand wurde in grün markiert.

Der Promobot bewegt sich bereits vor dem angeblichen Zusammenstoß mit dem Tesla. Der sich vergrößernde Abstand wurde in grün markiert.

Kurze Zeit nach dem Umfallen des Roboters ist das bereits mehrfach erwähnte Seil bzw. ein Seil-ähnliches Objekt mehrere Sekunden lang am linken Bildrand zu sehen. Es bewegt sich außerdem und scheint weiterhin zumindest teilweise unter Zug zu stehen.

Hier ist das Objekt, das einem Seil ähnelt gut ersichtlich.

Hier ist das Objekt, das einem Seil ähnelt gut ersichtlich.

Wir halten anhand der gegebenen Fakten den gesamten Tesla Roboter Vorfall für einen einerseits erfolgreichen PR-Stunt, zumal damit viel Aufmerksamkeit generiert werden konnte. Andererseits ist es jedoch auch ein missglückter Versuch, damit durchzukommen oder Personen täuschen. Obwohl viele Medien auf den Zug aufgesprungen sind, liegt es aus unserer Sicht sehr nahe, dass es sich um eine bewusste Vortäuschung eines Unfalls handelt. Während manche PR-Stunts durchaus wirksam sein können und gleichzeitig niemandem schaden, ist hier letzteres nicht gegeben. Teslas Autopilot anzuprangern oder eine Marke fälschlicherweise mit Negativwerbung zu belasten, halten wir für keinen gangbaren Weg eigene Schlagzeilen zu schreiben. Im Zuge von Online-Marketing raten wir von solchen Methoden dringend ab.

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